
Ein Kondomurinal fängt Urin auf und leitet ihn in einen Beutel – für Männer mit Harninkontinenz eine mögliche Alternative zu Vorlagen. Welche Varianten es gibt, wie Sie die passende Größe finden und worauf es beim Anlegen ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kondomurinal wird wie ein Kondom über den Penis gerollt und über einen Schlauch mit einem Bein- oder Bettbeutel verbunden. Es leitet Urin ab, statt ihn aufzusaugen.
- Das Hilfsmittelverzeichnis unterscheidet bei den externen Urinableitern neun Produktarten, etwa latexhaltig oder latexfrei, gebrauchsfertig oder mit separatem Kleber.
- Die richtige Größe entscheidet über den Halt. Gemessen wird am Penisschaft, mit der Messhilfe des jeweiligen Herstellers.
- Die Haut muss sauber und trocken sein; Cremes und Puder schwächen den Kleber. Haare werden bei Bedarf gekürzt, nicht rasiert.
- Ein Kondomurinal entleert die Blase nicht. Bei einem Harnverhalt reicht es allein nicht aus – das gehört ärztlich abgeklärt.
Ableiten statt aufsaugen
Die Leitlinie zur Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz unterscheidet aufsaugende Hilfsmittel wie Vorlagen von sammelnden. Das Kondomurinal ist das sammelnde Hilfsmittel, das am Körper getragen wird: eine dünne Hülle aus Latex oder einem latexfreien Material wie Silikon mit einem Schlauchansatz an der Spitze. Sie wird über den Penis gerollt und haftet mit einer Klebefläche oder einem separaten Kleber. Der Urin läuft in einen Beutel – unterwegs meist einen Beinbeutel unter der Kleidung, nachts kann ein größerer Beutel angeschlossen werden.
Ein Hilfsmittel versorgt die Inkontinenz, es behandelt sie nicht. Die Leitlinie verlangt deshalb, auf mögliche Behandlungen hinzuweisen, etwa Beckenbodentraining, Medikamente oder eine Operation – mehr im Beitrag zur Inkontinenz nach einer Prostata-OP. Kommt keine Behandlung infrage oder ist sie nicht gewünscht, ist eine gut versorgte, sozial verträgliche Inkontinenz ein legitimes Ziel – gerade bei älteren, mehrfach erkrankten Männern.
Für wen es passt – und wann nicht
Nach den Leitlinien des europäischen Verbands der Urologie-Pflegekräfte (EAUN) kommt ein Kondomurinal etwa infrage bei Dranginkontinenz ohne nennenswerten Restharn – Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt –, bei Belastungsinkontinenz nach einer Prostataoperation, bei neurologischen Erkrankungen oder wenn Beweglichkeit, Gedächtnis oder Sehen den Weg zur Toilette erschweren, dann mit Unterstützung.
Nicht geeignet ist es bei einem chronischen Harnverhalt mit hohem Druck in der Blase: Das Urinal fängt zwar Urin auf, der Druck kann aber den Nieren schaden. Bleibt ohne hohen Druck Urin in der Blase zurück, ist es ebenfalls keine gute Lösung. Vorsicht gilt bei wunder Haut, einer Allergie gegen das Material und wenn jemand das Urinal immer wieder abzieht. Zieht sich der Penis stark in das Fettgewebe zurück, was bei älteren Männern häufig vorkommt, gibt es kürzere oder spezielle Modelle.
Warnzeichen sollen vor der Versorgung ärztlich abgeklärt werden, etwa roter, trüber oder übel riechender Urin, Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch oder in der Nierengegend, ständiges Wasserlassen in kleinen Mengen, neue Lähmungen oder Gefühlsstörungen, Hautveränderungen und Fieber.
Die Varianten im Hilfsmittelverzeichnis
Im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung stehen Kondomurinale – dort Urinal-Kondome oder Rolltrichter genannt – in der Produktuntergruppe 15.25.04 „Externe Urinableiter“. Die Fassung vom 30. Januar 2025 unterscheidet neun Produktarten; die latexfreien sind bei einer Latexallergie geeignet, die der Versorger vorher abklären soll:
| Nummer | Produktart | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| 15.25.04.0 | Urinalsysteme zur Langzeitanwendung | Silikon-Urinal, zum Beispiel zweiteilig, mit passendem Beinbeutel, Halterung und Fixierhose |
| 15.25.04.1 | Urinableiter für Frauen | Beutel mit Klebe- oder Haftfläche, vor allem für bettlägerige Frauen |
| 15.25.04.2 | Urinableiter für Männer | Beutel mit Klebefläche, wenn ein Kondomurinal anatomisch nicht passt |
| 15.25.04.3 | Urinableiter für Kinder | etwa bei Hautproblemen, wenn kein Urin an die Haut kommen darf |
| 15.25.04.4 | Urinal-Kondome, latexhaltig, nicht gebrauchsfertig | Hautkleber oder Klebestreifen kommen separat dazu |
| 15.25.04.5 | Urinal-Kondome, latexhaltig, gebrauchsfertig verpackt | selbstklebend oder mit beiliegenden Haft- oder Klebestreifen |
| 15.25.04.6 | Urinal-Kondome, latexfrei, nicht gebrauchsfertig | etwa aus Silikon, Kleber kommt separat dazu |
| 15.25.04.7 | Urinal-Kondome, latexfrei, gebrauchsfertig verpackt | etwa aus Silikon, selbstklebend oder mit beiliegendem Kleber |
| 15.25.04.8 | Urinal-Kondome bei intermittierender Einmalkatheterisierung | abnehmbare Spitze, damit zwischendurch katheterisiert werden kann |
So finden Sie die richtige Größe
Ein Kondomurinal hält nur, wenn es rundum dicht anliegt. Nach dem EAUN wird dafür am Schaft gemessen, dort, wo der Penis am dicksten ist – am besten im Sitzen. Viele Hersteller bieten Messschablonen an; weil sich ihre Größen unterscheiden, passt eine Schablone nur zu den Produkten desselben Herstellers. Liegt das Maß zwischen zwei Größen, probieren Sie beide zu Hause aus. Das Urinal soll eng anliegen, aber nicht einschnüren; auch die Schlauchlänge muss zu Ihrem Alltag passen.
Anlegen und tragen: das Wichtigste
Die genauen Schritte stehen in der Gebrauchsanweisung; in sie soll Ihr Versorger Sie persönlich einweisen. Allgemein nennt der EAUN diese Grundsätze:
- Haut vorbereiten: Sie muss sauber, trocken und unverletzt sein. Cremes, Öle und Puder schwächen den Kleber; bei Silikon-Urinalen sollen gar keine Hautpflegeprodukte verwendet werden.
- Haare kürzen: Schamhaare bei Bedarf kürzen, damit sie nicht mit eingeklebt werden. Rasieren reizt die Haut.
- Sitz prüfen: eine Stunde nach dem ersten Anlegen und bei jedem Wechsel – sitzt es gut, ist alles dicht, schmerzt nichts?
- Knicke vermeiden: Knickt oder verdreht sich Urinal oder Schlauch, staut sich der Urin. Das löst den Kleber und kann den Abfluss blockieren.
- Täglich wechseln: Der EAUN empfiehlt einen Wechsel pro Tag bei der Körperpflege; das Hilfsmittelverzeichnis verweist auf die Angaben des Herstellers.
- Beutel leeren: den Beinbeutel leeren, wenn er zu etwa zwei Dritteln gefüllt ist, und ihn mindestens einmal pro Woche wechseln.
Bei Rötungen, wunden Stellen oder Blasen das Urinal sofort abnehmen, die Haut sanft waschen und trocknen, dieses Produkt nicht wieder anlegen und ärztlichen Rat einholen. Wer an der Haut weniger spürt, etwa bei Querschnittlähmung oder Multipler Sklerose, sollte sie täglich ansehen, damit Druckstellen nicht unbemerkt bleiben.
Testen, anpassen, nachberaten
Nach der Leitlinie zur Hilfsmittelberatung soll die Versorgung nach der ersten Beratung überprüft, bei Bedarf angepasst und nachberaten werden – beschlossen mit 20 von 20 Stimmen. Gibt es Schwierigkeiten, kann eine alltagsnahe Testung mit Hilfe beim Anlegen angeboten werden; hier sind Pflegefachpersonen führend. Auch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt soll das Ergebnis erfahren:
„Das Ergebnis der Beratung soll dem Verordner zur Kenntnis gebracht werden (Laufzettel), besonders, wenn eine Anpassung bzw. Nachberatung notwendig war, bevor eine Dauerverordnung initiiert wird.“
S2k-Leitlinie Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz, AWMF-Register 043-054, Empfehlung XXI
Nach dem Hilfsmittelverzeichnis testet der Versorger Alternativen mit Ihnen, versorgt bei Bedarf probeweise und liefert in neutraler Verpackung.
Häufige Fragen
Was tun, wenn das Kondomurinal nicht dicht hält?
Hält es keine 24 Stunden, liegt das nach dem EAUN oft an einem zu weiten Urinal, einem zu schwachen Kleber, der Anlegetechnik, Haaren, Schweiß oder viel Bewegung; auch ein zurückgezogener Penis oder ein Harnwegsinfekt kommen infrage. Messen Sie neu und lassen Sie sich zu anderen Modellen beraten.
Kann ich ein Kondomurinal mit dem Selbstkatheterismus kombinieren?
Ja. Dafür gibt es Urinal-Kondome mit abnehmbarer Spitze. In einer Erhebung, auf die sich die Leitlinie zum Katheterismus stützt, brauchte jeder vierte Patient neben den Kathetern zusätzlich aufsaugende oder ableitende Hilfsmittel wie ein Kondomurinal. Mehr im Beitrag Selbstkatheterismus lernen.
Bekomme ich das Kondomurinal auf Rezept?
Ja, externe Urinableiter stehen im Hilfsmittelverzeichnis und können verordnet werden, ebenso Bein- und Bettbeutel. Wie das abläuft, erklärt der Beitrag zu Inkontinenzhilfsmitteln auf Rezept.
So unterstützt Sie PharmaCare
Mit Ihrem Rezept kümmern wir uns um den Rest: Wir klären die Genehmigung mit Ihrer Krankenkasse, beraten Sie zu passenden Kondomurinalen sowie Bein- und Bettbeuteln – herstellerneutral, mit Produkten aller namhaften Hersteller – und liefern diskret zu Ihnen nach Hause. Das Rezept senden Sie im Original an PharmaCare GmbH, Raiffeisenallee 16, 82041 Oberhaching, am einfachsten mit unserem kostenlosen Freiumschlag. Kondomurinale führen wir zum Beispiel als Conveen von Coloplast, InView von Hollister und SAUER-Comfort von Manfred Sauer, weitere unter Ableitende Inkontinenz. Unser qualifiziertes Fachpersonal erreichen Sie Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr gebührenfrei.
Wir weisen Sie persönlich in das Anlegen ein, beraten Sie auf Wunsch auch bei Ihnen zu Hause und geben Ihnen verschiedene Kondomurinale zum Ausprobieren, bis Größe und Haftung passen.
0800 74 222 73WhatsAppSignalQuellen
- S2k-Leitlinie „Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz“, AWMF-Register 043-054, Version 2.0, Deutsche Gesellschaft für Urologie, letzte inhaltliche Überarbeitung Januar 2025 (Abschnitte 1 bis 4 und 6)
- Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 15 „Inkontinenzhilfen“, GKV-Spitzenverband, Fortschreibung vom 30. Januar 2025, Produktuntergruppe 15.25.04 „Externe Urinableiter“
- Male external catheters in adults – Urinary catheter management, European Association of Urology Nurses, März 2016 (englisch)
- S2k-Leitlinie „Management und Durchführung des Intermittierenden Katheterismus (IK) bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes“, AWMF-Register 043-048, Version 3.0, DGU und DMGP, letzte inhaltliche Überarbeitung 1. Februar 2026 (Abschnitt 4)
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Einweisung durch Fachpersonal und keine Rechtsberatung. Über Ihren Anspruch entscheidet Ihre Kranken- oder Pflegekasse. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt; alle Angaben wurden anhand der genannten Quellen geprüft. Stand: 24. September 2026.