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Harnwegsinfekt beim Katheterisieren: erkennen, behandeln, vorbeugen

Symbolbild: Gefülltes Wasserglas und eine Glaskaraffe auf einer weißen Ablage, davor ein Stapel unbedruckter steriler Beutel und ein weißes Frotteetuch
Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Wer sich regelmäßig katheterisiert, fragt sich bei trübem Urin oder einem Brennen schnell, ob ein Infekt dahintersteckt. Was die Fachleitlinie zum Erkennen, Behandeln und Vorbeugen empfiehlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Harnwegsinfekte sind die häufigste Komplikation beim intermittierenden Katheterismus, also beim Entleeren der Blase mit Einmalkathetern.
  • Bakterien im Urin ohne Beschwerden werden nicht mit Antibiotika behandelt – außer vor geplanten invasiven Untersuchungen oder Eingriffen.
  • Ein Infekt zeigt sich bei neurogener Blase oft anders, etwa durch mehr Spastik oder neue Inkontinenz. Trüber oder übel riechender Urin allein ist kein sicheres Zeichen.
  • Vor einem Antibiotikum soll eine Urinkultur aus frischem Katheterurin angelegt werden; behandelt wird gezielt und mindestens sieben Tage.
  • Vorbeugen helfen vor allem: mindestens 1,5 Liter am Tag trinken, die Blase nie über 500 Milliliter füllen, Hände desinfizieren und beschichtete Katheter bevorzugen.

Bakterien im Urin sind noch kein Infekt

Beim Katheterisieren gelangen immer wieder Keime in die Blase. Nach Angaben des europäischen Verbands der Urologie-Pflegekräfte (EAUN) entsteht bei 1 bis 3 Prozent der Katheterisierungen eine neue Bakteriurie – so heißt der Nachweis von Bakterien im Urin. Die Leitlinie zum intermittierenden Katheterismus verlangt deshalb, zwei Situationen klar zu unterscheiden:

MerkmalAsymptomatische BakteriurieSymptomatischer Harnwegsinfekt
Was ist das?Bakterien im Urin, aber keine BeschwerdenBakterien im Urin und Beschwerden
Antibiotikum?nein – außer vor geplanten invasiven Untersuchungen oder Eingriffenja, gezielt nach Urinkultur, mindestens sieben Tage
Urin untersuchen?kein regelmäßiges Screening; Kontrolle einmal im Jahr oder bei den neuro-urologischen TerminenUrinkultur mit Resistenzprüfung, bevor die Behandlung beginnt

„Es soll keine antibiotische Therapie bei ‚asymptomatischer Bakteriurie‘ bei IK-Patienten (außer vor geplanter invasiver Diagnostik und Therapie) erfolgen.“

S2k-Leitlinie Intermittierender Katheterismus, AWMF-Register 043-048, Abschnitt 6.3.1

Der Grund für die Zurückhaltung: Zu häufige Antibiotika erhöhen die Gefahr, dass Bakterien unempfindlich werden und die Mittel später nicht mehr wirken, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Welche Anzeichen auf einen Infekt hindeuten

Bei einer neurogenen Blasenfunktionsstörung – einer Störung der Blase durch eine Erkrankung oder Verletzung des Nervensystems – ist das Empfinden oft verändert. Die Leitlinie nennt daher auch ungewohnte Zeichen:

  • Brennen oder Schmerzen, starker oder häufiger Harndrang
  • neue oder stärkere Inkontinenz
  • Schmerzen in der Flanke, im Nierenbereich oder oberhalb des Schambeins
  • Fieber
  • mehr Spastik als sonst
  • Zeichen einer autonomen Dysreflexie (siehe unten)
  • häufigeres Katheterisieren mit jeweils weniger Urin oder ein Katheter, der sich schwerer einführen lässt
  • trüber oder übel riechender Urin – aber nie als einziges Zeichen

Diese Zeichen zeigen einen Infekt nur unsicher an, betont die Leitlinie. Verändert sich der Urin, rät sie zu einer Urinuntersuchung, zum Blick auf die Trinkmenge und daran zu denken, dass auch Ernährung und Medikamente Farbe und Geruch beeinflussen. Teststreifen, die auf weiße Blutkörperchen reagieren, hält sie zur Selbstkontrolle für akzeptabel, um einen Infekt auszuschließen.

Autonome Dysreflexie: rasch handeln

Bei einer neurogenen Blasenstörung kann eine überfüllte Blase oder das Katheterisieren selbst eine autonome Dysreflexie auslösen: einen plötzlichen, gefährlichen Blutdruckanstieg, oft mit Gänsehaut, starkem Schwitzen oder pochenden Kopfschmerzen. Dann gilt zuerst: Blase entleeren. Bleibt der Blutdruck hoch, ist sofort ärztliche Behandlung nötig. Wer dazu neigt, soll nach der Leitlinie einen Notfallausweis bekommen.

Wie ein Infekt behandelt wird

Bei einer neurogenen Blasenstörung gilt jeder Harnwegsinfekt als kompliziert. Deshalb soll vor dem ersten Antibiotikum aus frisch mit dem Katheter gewonnenem Urin eine Urinkultur mit Resistenzprüfung angelegt werden. Sie zeigt, welche Bakterien den Infekt verursachen und welche Mittel gegen sie wirken. Danach wird gezielt behandelt, ausreichend hoch dosiert und mindestens sieben Tage lang.

Kommen Infekte immer wieder, sollen urologische Kontrollen einschließlich einer Messung der Blasenfunktion (Urodynamik) andere Ursachen ausschließen. Außerdem können etwa eine Immunisierung oder eine niedrig dosierte Antibiotika-Prophylaxe sinnvoll sein.

Sieben Grundsätze der Vorbeugung

Die Leitlinie fasst die Vorbeugung in sieben allgemeinen Grundsätzen zusammen, hier in eigenen Worten:

  1. Die Blase speichert den Urin mit niedrigem Druck, falls nötig mithilfe einer Behandlung der Blasenstörung.
  2. Sie katheterisieren mit der richtigen Technik.
  3. Das Kathetermaterial passt zu Ihnen und reicht in der Menge.
  4. Sie trinken mindestens 1,5 Liter am Tag, möglichst gleichmäßig verteilt, etwa Wasser, Kräutertee oder Saftschorle.
  5. Die Blase wird nicht dauerhaft überdehnt: höchstens 500 Milliliter pro Katheterisierung.
  6. Weitere Risiken wie Harnsteine, eine unzureichend behandelte überaktive Blase oder ein Rückfluss von Urin in die Harnleiter werden abgeklärt und behandelt.
  7. Die Darmentleerung ist geregelt.

Punkt 4 und 5 hängen zusammen: Wer mehr trinkt, muss womöglich öfter katheterisieren, damit die 500 Milliliter nicht überschritten werden. Ein Trink- und Katheterprotokoll zeigt, welcher Rhythmus passt; liegen die Mengen unter 100 oder über 500 Millilitern, soll der Ablauf überprüft werden. Gilt für Sie ärztlich eine andere Trinkmenge, etwa wegen Herz oder Nieren, geht diese vor.

Zu Punkt 7: Eine Verstopfung kann auch das Einführen des Katheters erschweren. Wie sich die Darmentleerung bei einer neurogenen Darmstörung regeln lässt, zeigt der Beitrag zur Analirrigation.

Hygiene und Material

Für das aseptische Katheterisieren – mit sterilem Katheter, der beim Einführen nicht berührt wird – gilt die hygienische Händedesinfektion als Pflicht. Händewaschen allein reicht oft nicht, zum Beispiel wenn Sie danach im Rollstuhl zur Toilette fahren und dabei die Räder anfassen. Dazu kommt die Desinfektion der Harnröhrenöffnung mit einem zugelassenen Schleimhautdesinfektionsmittel; die Einwirkzeit richtet sich nach den Herstellerangaben.

Hydrophil oder mit Gel beschichtete Einmalkatheter können die Zahl der Infekte senken und sollten nach der Leitlinie bevorzugt werden; die Katheterarten erklärt unser Beitrag zur Charrière-Größe. Die Kommission für Krankenhaushygiene (KRINKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt, wo immer praktikabel Einmalkatheter statt eines Dauerkatheters zu nutzen, um Infektionen vorzubeugen.

Was nicht belegt ist

Weil Belege fehlen, ist eine medizinische Vorbeugung nach der Leitlinie immer eine individuelle Entscheidung. Aus Erfahrung können einzelne Maßnahmen helfen, etwa ein leicht saurer Urin mit einem pH-Wert von 5,6 bis 6,2, pflanzliche Präparate, D-Mannose oder einmal pro Woche abwechselnd zwei auf die Keime abgestimmte Antibiotika. Für antiseptische Blasenspülungen gibt es keine Empfehlung.

Zu Cranberry-Präparaten gibt es eine große Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2023. Danach senken sie das Risiko bei Frauen mit wiederkehrenden Infekten und bei Kindern wohl – bei Erwachsenen mit neuromuskulärer Blasenfunktionsstörung und unvollständiger Blasenentleerung scheint die Zahl der Infekte dagegen nicht zu sinken. Der EAUN rät, Cranberry nicht routinemäßig zu empfehlen.

Häufige Fragen

Mein Urin ist trüb. Habe ich einen Infekt?

Nicht unbedingt. Trüber oder anders riechender Urin allein ist kein sicheres Infektzeichen. Achten Sie auf weitere Beschwerden wie Fieber, Schmerzen, mehr Spastik oder neue Inkontinenz und lassen Sie den Urin untersuchen, wenn sich etwas verändert.

Sollte ich meinen Urin regelmäßig untersuchen lassen?

Ohne Beschwerden ist ein regelmäßiges Screening nicht vorgesehen. Die Leitlinie empfiehlt, den Katheterurin einmal im Jahr oder bei den neuro-urologischen Kontrollen zu untersuchen. Bei Beschwerden gehört vor jeder Antibiotikabehandlung eine Urinkultur dazu.

Hilft Cranberry gegen Infekte?

Bei Blasenentleerungsstörungen ist ein Nutzen nicht belegt. Wichtiger sind die sieben Grundsätze der Vorbeugung. Möchten Sie ein Präparat ausprobieren, besprechen Sie das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Reicht meine Kathetermenge, wenn ich öfter katheterisieren muss?

Die Leitlinie verlangt Material in ausreichender Menge und lehnt eine Begrenzung aus Kostengründen ab. Reicht Ihre Menge nicht, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und Ihren Versorger an. Was die Kassen übernehmen, erklärt der Beitrag Selbstkatheterismus lernen.

So unterstützt Sie PharmaCare

Bei Anzeichen eines Infekts wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Zu Ihren Kathetern und deren Menge berät Sie unser qualifiziertes Fachpersonal, Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr gebührenfrei. Mit Ihrem Rezept klären wir die Genehmigung mit Ihrer Krankenkasse und liefern diskret nach Hause – herstellerneutral, mit Produkten aller namhaften Hersteller (Ableitende Inkontinenz).

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Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Einweisung durch Fachpersonal und keine Rechtsberatung. Über Ihren Anspruch entscheidet Ihre Kranken- oder Pflegekasse. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt; alle Angaben wurden anhand der genannten Quellen geprüft. Stand: 24. September 2026.