
Ein Bruch neben dem Stoma kann Monate oder Jahre nach der Operation entstehen und beginnt oft mit einer leichten Vorwölbung. Hier lesen Sie, woran Sie eine parastomale Hernie erkennen, was das Risiko senken kann und wann Sie sofort Hilfe brauchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine parastomale Hernie ist ein Bauchwandbruch direkt neben dem Stoma. Sie zählt zu den häufigsten Komplikationen nach einer Stomaanlage.
- Am Dickdarmstoma ist das Risiko höher als am Dünndarmstoma: Die Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde (FgSKW) nennt 18 bis 40 gegenüber 9 bis 22 Prozent.
- Vorbeugen heißt vor allem, die Bauchdecke zu entlasten: anfangs nicht schwer heben, beim Husten den Bauch stützen, aufrecht gehen, Rumpfmuskeln nach Anleitung kräftigen.
- Eine angepasste Stomabandage stützt die Bauchdecke von außen, heilt einen Bruch aber nicht. Menschen mit Stoma können sie verordnet bekommen.
- Starke oder neue Schmerzen am Bruch mit Übelkeit oder Erbrechen können auf eine Einklemmung hinweisen – ein Notfall für die 112.
Was bei einem Bruch am Stoma passiert
Für ein Stoma wird der Darm durch eine Öffnung in der Bauchwand nach außen geleitet. Dort bleibt eine Schwachstelle. Ist der Druck im Bauch zu groß für die Bauchwand, kann sich die Lücke weiten, und Teile des Bauchinhalts, etwa Darmschlingen, schieben sich in einen Bruchsack neben dem Stoma. Druck entsteht zum Beispiel beim Husten, Niesen, Pressen und schweren Heben; wenig trainierte Bauchmuskeln können dem kaum etwas entgegensetzen.
Woran Sie eine Hernie bemerken
Typische Anzeichen sind:
- eine Vorwölbung neben dem Stoma, die beim Husten, Niesen oder Pressen deutlicher hervortritt
- Ziehen, Brennen oder Schmerzen – manche Betroffene haben aber gar keine Beschwerden
- eine Versorgung, die schlechter hält, und gereizte Haut durch Undichtigkeit (siehe Haut am Stoma schützen)
- Probleme, weil Luft oder Stuhl schlechter aus dem Stoma kommen
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt den Bruch schon bei der Untersuchung im Stehen und Liegen, während Sie husten oder pressen. Bleibt es unklar, helfen Ultraschall oder eine Computertomografie weiter.
Wer ein höheres Risiko hat
Nach der Leitlinie der Europäischen Herniengesellschaft tritt ein Bruch bei einem endständigen Kolostoma häufiger auf als bei anderen Stomaarten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil nicht jede Hernie erkannt wird; die FgSKW nennt für Dickdarmstomata 18 bis 40 Prozent und für Dünndarmstomata 9 bis 22 Prozent. Weitere Faktoren:
- kaum beeinflussbar: höheres Alter, schwaches Bindegewebe, Wundheilungsstörungen oder Infektionen nach der Operation, eine zu groß angelegte Öffnung in der Bauchwand
- beeinflussbar oder behandelbar: Übergewicht und starke Gewichtszunahme, Rauchen, Alkohol, chronischer Husten und COPD, Diabetes, schwache Bauchmuskeln, ein schlechter Ernährungszustand, eine zu frühe und zu starke Belastung der Bauchdecke
Auch eine Behandlung mit Kortison zählt dazu – setzen Sie ein Medikament aber nie ohne ärztlichen Rat ab.
Was das Risiko senken kann
Oft zitiert wird ein Vorbeugeprogramm, das Thompson und Trainor 2005 und 2007 ausgewertet haben. Im ersten Jahr, noch ohne Programm, bekamen 24 von 87 Operierten eine Hernie (28 Prozent), im zweiten Jahr mit Programm 16 von 114 (14 Prozent). Im dritten Jahr waren es 17 Prozent; 7 Prozent dieser Gruppe hatten sich nach eigenen Angaben nicht an das Programm gehalten. Es umfasst sieben Punkte:
- gesund leben
- in den ersten drei bis zwölf Monaten nach der Operation nicht schwer heben
- ein Körpergewicht im Bereich eines Body-Mass-Index (BMI) von 20 bis 25 halten
- die Bauch- und Rumpfmuskulatur gezielt und dauerhaft stärken, sobald die Wunde verheilt ist
- sich jederzeit aufrecht halten
- eine angepasste Stomabandage tragen
- in den ersten Monaten beim Husten den Bauch stützen
Zwei Einschränkungen nennt der Fachartikel der FgSKW: Eine Diät gehört nicht in die Zeit der Wundheilung oder einer Chemo- oder Strahlentherapie. Und Übungen lassen Sie sich zuerst von Physiotherapie oder Stomatherapie zeigen, damit Sie die Bauchmuskeln nicht falsch belasten.
Im Alltag die Bauchdecke entlasten
- Heben: in den ersten vier Wochen nach der Operation höchstens fünf Kilogramm, danach höchstens zehn; lieber mehrmals wenig. Gegenstände nah am Körper anheben, mit geradem Rücken in die Knie gehen, dabei ausatmen.
- Husten und Niesen: aufrecht bleiben, eine Hand stützend auf das Stoma legen, in die Armbeuge husten.
- Aufstehen: über die Seite drehen, die nicht die Stomaseite ist, und sich mit den Armen hochdrücken.
- Toilette: nicht pressen und Verstopfung vermeiden.
Was eine Stomabandage leistet
Eine Stomabandage ist eine Leibbinde mit einer Öffnung für den Beutel. Sie stützt die Bauchdecke von außen und kann daran erinnern, den Bauch nicht zu stark zu belasten; einen Bruch heilt sie nicht. Dass sie allein einem Bruch vorbeugt, ist laut FgSKW nicht durch eigene Studien belegt. Auch das IQWiG hält es für unklar, ob Bauchbinden nach Bauchoperationen Narbenbrüchen vorbeugen.
Im Programm von Thompson und Trainor wurde empfohlen, nach drei Monaten bei schwerer Arbeit oder beim Heben eine Bandage zu tragen. Sie soll von einer Stomatherapeutin oder einem Stomatherapeuten ausgemessen und angepasst werden; ob sie für Sie infrage kommt, klären Sie mit Ihrem Operationsteam. Leibbinden sind als Kassenleistung eigentlich ausgeschlossen, die zuständige Verordnung nennt aber Ausnahmen:
„Leibbinden (Ausnahme: bei frisch Operierten, Bauchwandlähmung, Bauchwandbruch und bei Stoma-Trägern)“
§ 1 Nummer 2 KVHilfsmV
Wenn ein Bruch entstanden ist
Mit dem Bruch ändert sich oft die Bauchform und damit der Sitz der Platte. Lassen Sie die Versorgung regelmäßig überprüfen und bei Bedarf anpassen. Bei Platten mit fester Wölbung rät die Fachgesellschaft bei einer Hernie zu besonderer Vorsicht – siehe einteilige oder zweiteilige Stomaversorgung.
Nicht jeder Bruch muss operiert werden. Macht er keine Beschwerden und ist das Risiko gering, kann darauf verzichtet werden. Operiert wird etwa, wenn der Darm im Bruchsack eingeengt, seine Durchblutung gefährdet oder der Bruch sehr groß ist. Auch dann wägen Ärztinnen und Ärzte Nutzen und Risiken sorgfältig ab. Bei der Operation wird die Bauchwand in der Regel mit einem Kunststoffnetz verstärkt.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Starke oder plötzlich neue Schmerzen am Bruch, dazu Übelkeit oder Erbrechen, können bedeuten, dass der Bruchsack eingeklemmt ist. Das ist immer ein Notfall und muss innerhalb weniger Stunden operiert werden: Rufen Sie die 112 oder lassen Sie sich sofort in ein Krankenhaus bringen. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie auch, wenn der Bauch schmerzt und aus dem Stoma weder Stuhl noch Luft kommt – dahinter kann ein Darmverschluss stecken.
Bemerken Sie eine neue Vorwölbung ohne diese Warnzeichen oder hält die Versorgung schlechter als sonst, sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Stomatherapie.
Häufige Fragen
Bekomme ich eine Stomabandage auf Rezept?
Ja, für Menschen mit Stoma gilt die genannte Ausnahme. Im Hilfsmittelverzeichnis stehen solche Bandagen bei den Leibbinden (Produktgruppe 05); sie brauchen eine Öffnung für den Beutel. Ob eine Bandage nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; ein Rezept kann schon beim Entlassmanagement der Klinik ausgestellt werden.
Darf ich nach der Operation Sport treiben?
Ja, Bewegung gehört ausdrücklich zur Vorbeugung. In den ersten Monaten eignen sich ruhige Sportarten wie Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren, Wandern, Tanzen oder Schwimmen; Joggen, Tennis, Ballsport und Kampfsport belasten die Bauchdecke stärker. Mehr im Beitrag Mit Stoma unterwegs.
Geht ein Bruch von allein wieder weg?
Nein. Ein Bauchwandbruch bleibt in der Regel bestehen und lässt sich nur durch eine Operation beseitigen. Das heißt aber nicht, dass jeder Bruch operiert werden muss.
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- Affa K.: Parastomale Hernienprävention durch Übungen der Bauch- und Rumpfmuskulatur (PDF), Fachartikel, Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V.
- Antoniou S. A. u. a.: European Hernia Society guidelines on prevention and treatment of parastomal hernias, Hernia 2018 (PubMed)
- Hernien: Ursachen, Behandlung, Vorbeugung, gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, Stand 14. März 2024
- Wie wird ein Narbenbruch behandelt?, gesundheitsinformation.de (IQWiG), aktualisiert am 31. Oktober 2023
- Was ist ein künstlicher Darmausgang (Stoma)?, gesundheitsinformation.de (IQWiG), erstellt am 4. März 2026
- KVHilfsmV – Verordnung über Hilfsmittel von geringem therapeutischen Nutzen oder geringem Abgabepreis, Bundesministerium der Justiz
- Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 05 „Bandagen“ (PDF), GKV-Spitzenverband, Fortschreibung vom 26. Januar 2023
- Handlungsempfehlung zum Einsatz konvex geformter Produkte zur Stomaversorgung (PDF), Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V., 3. Entwurf, 2013
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Über Ihren Anspruch entscheidet Ihre Kranken- oder Pflegekasse. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt; alle Angaben wurden anhand der genannten Quellen geprüft. Stand: 24. September 2026.