
Vorlage mit Fixierhose, Pants zum Anziehen oder Windelhose mit Klebeverschluss: Aufsaugende Inkontinenzhilfen gibt es in vielen Varianten. Hier erfahren Sie, wie sie sich unterscheiden und woran sich die Auswahl orientiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorlagen trägt man in einer Fixierhose, auch Netzhose genannt. Windelhosen, oft Slips genannt, werden mit Klebe- oder Haftstreifen verschlossen; Pants zieht man an wie Unterwäsche.
- Das Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen teilt nach geprüfter Saugleistung ein: Vorlagen in vier Stufen ab 150 Milliliter, Windelhosen und Pants in drei Stufen ab 500 Milliliter.
- Tropfen auf der Packung sind eine Angabe der Hersteller; das Hilfsmittelverzeichnis verwendet sie nicht.
- Welches Produkt passt, hängt davon ab, wie viel Urin in welcher Zeit verloren geht, von Tag und Nacht, von der Beweglichkeit und davon, wer die Versorgung anlegt.
- Sie haben Anspruch auf eine Versorgung ohne Mehrkosten; der Versorger muss Ihnen dafür eine ausreichende Auswahl geeigneter Produkte anbieten.
Die Produktarten im Überblick
Aufsaugende Inkontinenzhilfen stehen im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands in der Produktgruppe 15 „Inkontinenzhilfen“. Sie sind in Schichten aufgebaut: Ein Kern aus Zellstoff und Superabsorber bindet den Urin, ein weiches Vlies schützt die Haut vor Rücknässe, eine dichte Außenschicht verhindert das Durchnässen.
| Produktart | So wird sie getragen | Saugleistung laut Hilfsmittelverzeichnis, mindestens |
|---|---|---|
| Anatomisch geformte Vorlage | in einer Fixierhose; zusätzlich lässt sie sich befestigen, zum Beispiel mit Klebestreifen an der Unterseite | niedrig 150 Milliliter (nur bei Harninkontinenz), normal 450, erhöht 600, hoch 900 Milliliter |
| Fixierhose (Netzhose) | elastisches, luftdurchlässiges Netzgewebe hält die Vorlage am Körper; meist waschbar, auch zum Einmalgebrauch; Größe 1 oder 2 | saugt nicht selbst |
| Windelhose (Slip) | wird um den Körper gelegt und mit wiederverschließbaren Klebe- oder Haftstreifen geschlossen | normal 500, erhöht 750, hoch 1.000 Milliliter |
| Pants (Inkontinenzunterhose) | rundum geschlossen mit elastischem Bund, wird wie Unterwäsche an- und ausgezogen; lässt sich seitlich aufreißen, aber nicht wieder verschließen | wie Windelhosen |
Windelhosen und Pants gibt es in drei Größen nach dem Hüftumfang: bis 80 Zentimeter, bis 110 Zentimeter und ab 110 Zentimeter.
Was sich 2025 geändert hat
Der GKV-Spitzenverband hat die Produktgruppe überarbeitet und am 30. Januar 2025 bekannt gemacht. Neu ist eine Stufe für Vorlagen mit niedriger Saugleistung, gedacht für geringe Urinmengen. Rechteckvorlagen und waschbare saugende Inkontinenzhosen sind nicht mehr aufgeführt, weil dort keine Produkte mehr gelistet waren. Die Hosen zum Halten der Vorlagen heißen jetzt Fixierhosen.
Milliliter statt Tropfen
Wer ein Produkt ins Hilfsmittelverzeichnis bringen will, muss die Saugleistung mit festgelegten Verfahren belegen. Im Labor wird gemessen, wie viel Flüssigkeit das Material insgesamt aufnimmt, wie schnell es aufsaugt und wie viel Nässe wieder an die Oberfläche gelangt. Außerdem prüft ein unabhängiges Institut an einem Prüftorso, einer Nachbildung des Körpers, wie viel ein Produkt aufnimmt, bevor es ausläuft.
Die Tropfen, mit denen manche Hersteller die Saugstärke auf der Packung angeben, gehören nicht zu dieser Einteilung. Über Marken hinweg vergleichbar ist die Saugstufe, der ein Produkt im Hilfsmittelverzeichnis zugeordnet ist.
Mehr Saugleistung ist dabei nicht automatisch besser. Das Hilfsmittelverzeichnis stellt klar, dass sich die nötige Stückzahl nicht allein aus der Urinmenge und dem größtmöglichen Saugvermögen errechnen lässt: Auch Hygiene und Pflegesituation zählen, und je nach Fall können fünf oder mehr Produkte in 24 Stunden nötig sein. Ziel ist, dass die Haut nicht dauerhaft feucht bleibt.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Die Leitlinie zur Hilfsmittelberatung und das Hilfsmittelverzeichnis nennen Punkte, die in die Auswahl einfließen sollen:
- Menge und Tempo: Geht ständig wenig Urin ab oder in kurzer Zeit viel? Beides verlangt andere Produkte, auch bei gleicher Tagesmenge.
- Tag und Nacht: Unterscheidet sich der Verlust im Tagesverlauf, können für Tag und Nacht verschiedene Produkte passen.
- Form der Inkontinenz: Bei Belastungsinkontinenz hängt der Verlust von der Bewegung ab, bei Dranginkontinenz kommt oft ein Schwall – mehr im Beitrag Formen der Harninkontinenz.
- Beweglichkeit: Die Leitlinie schlägt Kategorien vor, von bettlägerig über rollstuhlpflichtig und mobil mit Gehhilfe bis uneingeschränkt mobil, berufstätig oder sportlich aktiv.
- Handhabung: Legen Sie die Versorgung selbst an, oder hilft Ihnen jemand? Diese Fähigkeiten und die mögliche Unterstützung sind ebenso zu berücksichtigen wie Körpermaße und Allergien.
Zu Pants hält das Hilfsmittelverzeichnis fest, dass sie gegenüber Windelhosen mit Klebeverschluss keinen medizinischen Vorteil bieten. Sie können aber die geeignete und notwendige Versorgung sein, etwa für Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, die sich mit Vorlage und Netzhose nicht ausreichend versorgen lassen und eine Klebewindel immer wieder abnehmen.
Ihr Anspruch: beraten, ausprobieren, ohne Mehrkosten
Auch die Anforderungen an die Versorger stehen im Hilfsmittelverzeichnis. Unter anderem gilt:
- Sie werden über Ihren Anspruch auf eine Versorgung ohne Mehrkosten aufgeklärt und bekommen eine ausreichende Auswahl geeigneter mehrkostenfreier Produkte angeboten.
- Der Bedarf wird für Sie persönlich ermittelt; pauschale Mengen sind dafür nicht geeignet.
- Bei der ersten Versorgung und bei einem Wechsel erhalten Sie verschiedene geeignete Produkte zum Ausprobieren, möglichst von verschiedenen Herstellern.
- Geliefert wird in neutraler Verpackung; Menge und Abstände der Lieferungen werden mit Ihnen abgestimmt.
Wählen Sie ein Produkt, das über das Notwendige hinausgeht, tragen Sie die Mehrkosten selbst (§ 33 Absatz 1 SGB V) – mehr dazu im Beitrag Aufzahlung und Mehrkosten. Außerdem leisten Sie ab 18 Jahren die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent, bei Verbrauchsprodukten begrenzt auf einen Höchstbetrag für den Monatsbedarf; was derzeit gilt, erklärt der Beitrag Zuzahlung 2027.
Versorgen ist nicht behandeln
Hilfsmittel fangen Urin auf, gegen die Ursache helfen sie nicht – darauf legt die Leitlinie Wert. Alle Betroffenen sollen je nach Aussicht auf Erfolg auf Behandlungen hingewiesen werden, etwa Beckenboden- oder Blasentraining, Medikamente oder eine Operation. Nach dem Hilfsmittelverzeichnis soll die Ärztin oder der Arzt außerdem in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die Versorgung weiter nötig ist.
Häufige Fragen
Brauche ich zu Vorlagen immer eine Fixierhose?
Das Hilfsmittelverzeichnis sieht vor, Vorlagen in einer Fixierhose zu tragen; sie hält die Vorlage eng am Körper. Zusätzlich müssen sich Vorlagen befestigen lassen, zum Beispiel mit Klebestreifen. Fixierhosen sind selbst Hilfsmittel und können mitverordnet werden.
Kann ich tagsüber und nachts verschiedene Produkte nutzen?
Ja. Die Leitlinie nennt den Verlauf über Tag und Nacht ausdrücklich als Kriterium für die Auswahl. Welche Kombination passt, zeigt sich am besten beim Ausprobieren.
Wie oft sollte ich wechseln?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Es kommt auf Menge, Produkt, Hygiene und Pflegesituation an; je nach Fall können fünf oder mehr Produkte am Tag nötig sein. Veränderungen der Haut sollten Sie ärztlich abklären lassen.
Zahlt die Krankenkasse auch Pants?
Pants stehen im Hilfsmittelverzeichnis und können verordnet werden. Weil sie laut Verzeichnis gegenüber Windelhosen keinen medizinischen Vorteil bieten, kommt es auf den Einzelfall an, ob sie die notwendige Versorgung sind. Lassen Sie sich auch die mehrkostenfreien Möglichkeiten zeigen.
Gehören Bettschutzeinlagen dazu?
Nicht zu den Inkontinenzhilfen der Produktgruppe 15. Weil sie nicht direkt am Körper wirken, ordnet das Hilfsmittelverzeichnis Bettschutzeinlagen der Produktgruppe 19 „Krankenpflegeartikel“ zu.
So unterstützt Sie PharmaCare
In unserer Produktsuche finden Sie rund 4.000 Artikel, darunter Vorlagen, Pants, Windelhosen und Fixierhosen aller namhaften Hersteller – etwa die Produktlinien MoliCare von Hartmann oder TENA Pants. Wir beraten herstellerneutral zu Produktart, Saugstufe und Größe, klären mit Ihrer Verordnung die Genehmigung mit der Krankenkasse und liefern diskret zu Ihnen nach Hause.
Unser qualifiziertes Fachpersonal erreichen Sie Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr gebührenfrei, auch per WhatsApp oder Signal.
0800 74 222 73WhatsAppSignalQuellen
- Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 15 „Inkontinenzhilfen“, GKV-Spitzenverband, bekannt gemacht am 30. Januar 2025
- Dokumente zur Fortschreibung der Produktgruppe 15, GKV-Spitzenverband, 2025
- Fortschreibungen der Produktgruppen, GKV-Spitzenverband
- S2k-Leitlinie „Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz“, AWMF-Registernummer 043-054, Version 2.0 (2025), Deutsche Gesellschaft für Urologie
- § 33 SGB V – Hilfsmittel, Bundesministerium der Justiz
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung. Über Ihren Anspruch entscheidet Ihre Kranken- oder Pflegekasse. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt; alle Angaben wurden anhand der genannten Quellen geprüft. Stand: 24. September 2026.